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Kleine
Leseprobe aus über 200 Glossen. |
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Eva. Der Apfel hat’s in sich. Der Schweizer Freiheitskämpfer Wilhelm Tell schoß zum Beispiel auf ihn. Und dann ist da ja auch noch die Sache mit Eva, die sich nach betörender Beratung durch eine Schlange einen Apfel griff, um ihren Adam aus dem Paradies zu locken. Seltsamerweise legten sich Eva wie Adam danach Feigenblätter an. Der Apfelbaum war dafür sichtlich ungeeignet. Feigenblätter sind eben größer. Nun wissen wir leider nicht zuverlässig, wo das Ganze - botanisch betrachtet - stattgefunden haben mag. Bildhaft, wie die biblische Reportage nun mal ist, wird sie sich ihre Vorbilder dazu vermutlich aus der damaligen Welt der Autoren, also dem südöstlichen Mittelmeerraum, gesucht haben. Folgerichtig ist im Original auch nur die Rede von Früchten, die am Baum der Erkenntnis reifen, von Äpfeln dort kein Wort, denn die dazu passenden Bäume gab es hier nicht. Die wurden erst später dazu erfunden, in all’ den tausend Bildern, auf denen sich Eva mit dem Apfel zeigt und so eine ganze Obstgattung ins Gerede bringt. Das freilich hatte damit zu tun, daß die freundliche Rundfrucht symbolisch auch für anderes herhielt. Schon vorchristlich stand der Apfel fürs Erotische, für Verbotenes - damals. Deshalb also greift die liebe Eva auf den rührenden Vertreibungsbildern stets zum Apfel, in den dann ihr Adam, nicht ahnend, wie sauer er sein wird, rein beißt. Bis heute. (HvB) |
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Hanseatisch. Der Name Hans ist bekanntlich die Kurzform von Johannes, also was seriöses. Wo aber kommt dann "hänseln" her? Nicht direkt von Hans, zugegeben. Aber ein bißchen holt es ihn ein. Denn das "Hänseln" war früher eine Art Eignungstest, den sich die Oberen einer Hanse, eine Kaufmannsgilde also, für neue Bewerber ausgedacht hatten. Die nahmen halt schon damals nicht jeden. Der Hanseaspirant mußte sich deshalb allerlei überraschenden und auch lästigen Proben unterwerfen. Bestand' er sie, gehörte er dazu. Die vielen Hansen, die es vor ein paar hundert Jahren gab - nicht nur der berühmte Städtebund - überlebten das Mittelalter nicht, auch nicht sprachlich. Aber es blieb die Erinnerung an jene vertrackten Tests, die sich in ihrer Bedeutung schließlich zu Spott und Anmache wandelten. Wer sowas heute erträgt, besteht also eine ganz andere Art von Eignungsprüfung, Beifall gibt es dafür kaum. Seltsamerweise hatte dieses Hänseln neuer Art Auswirkungen auf den Namen Hans. Der wurde nämlich in manchen Regionen auch mit Schelm oder Narr gleichgesetzt. Das Märchen vom "Hans im Glück" erinnert daran. Bleibt nur zu fragen, wie es die Hanseaten von Lübeck bis Bremen mit dem Hänseln heute halten. Antwort: gar nicht. Sie sind eben zu hanseatisch. Auch wenn es die alte Hanse schon lang nicht mehr gibt. (HvB) |